Zwischen Abitur, Internat und Medaillenträumen

Veröffentlicht am 3.06.2026 im Bereich Aktuelles
Till Berbig und Ivo Quett bei den TT-Finals 2025

Thüringens Talente greifen in Erfurt nach Edelmetall: Till Berbig und Kira Kölling stehen exemplarisch für eine Generation junger TTTV-Asse, die Leistungssport, Schule und Ehrenamt unter einen Hut bringen.

DTTB/Erfurt: Für Till Berbig schließt sich in diesen Tagen ein Kapitel. Der 19-Jährige bestreitet sein letztes U19-Jahr und damit auch seine letzten LOTTO Thüringen TT-Finals in der Nachwuchsklasse. Bereits im vergangenen Jahr erfüllte sich der Regionalliga-Spieler des USV Jena mit zwei Bronzemedaillen im Doppel und Mixed einen Traum. Nun soll zum Abschied noch etwas dazukommen.

„Mein primäres Ziel in diesem Jahr ist eine Einzelmedaille“, sagt Berbig selbstbewusst. Ein Anspruch, der bemerkenswert wirkt, denn parallel dazu beschäftigte ihn in der Turniervorbereitung noch ein anderes Großprojekt: das Abitur. Für seine Prüfungen in Mathematik, Englisch, Sport und Geschichte habe er ein gutes Gefühl, erzählt er. Die Ergebnisse stehen zwar noch aus, doch gedanklich richtet sich der Blick längst nach vorn.

Sport, Ehrenamt und Zukunftspläne
Berbig gehört seit Jahren zu den großen Talenten des Thüringer Tischtennis. Dass Sport für ihn mehr bedeutet als eigene Erfolge, liegt auch im familiären Umfeld begründet. Vater Tino engagiert sich als Jugendtrainer, Mutter Kerstin hilft regelmäßig bei Heimspielen, Bruder Georg spielt selbst aktiv Tischtennis.

Auch Till übernimmt Verantwortung. In seinem Heimatverein TTC Rotation Weimar trainiert er Nachwuchsspieler, zudem ist er Jugendsprecher im Jugendausschuss des TTTV. Nach seiner C-Lizenz hat er jetzt mit der Ausbildung zum B-Trainer begonnen. Ab Sommer absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr beim USV Jena, je zur Hälfte im Hauptverein und in der Tischtennis-Abteilung. Ein voller Kalender schreckt ihn nicht ab. „Auch im Abitur hat das Training nicht gelitten“, sagt er. Nach den anstrengenden Monaten überwiegt ohnehin die Vorfreude: „Es fühlt sich für mich wie eine Befreiung an, dass ich mit der Schule fertig bin. Ich freue mich auf das, was danach kommt.“

Vom Grundschulprojekt zur Regionalliga
Einen ähnlichen Weg, wenn auch mit anderem Ausgangspunkt, hat Kira Kölling eingeschlagen. Die 17-Jährige besucht ebenfalls das Erfurter Sportgymnasium und spielt in der Regionalliga für den Post SV Mühlhausen. Geboren wurde sie allerdings in Cottbus. Gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder Toby wechselte sie in der achten Klasse nach Erfurt, um die Bedingungen für Schule und Leistungssport optimal zu verbinden.

Ihre Begeisterung für Tischtennis begann in einer Grundschul-AG in der ersten Klasse. Während der Corona-Pandemie fiel schließlich die Entscheidung, sich ganz auf Tischtennis zu konzentrieren und das Tanzen sowie Leichtathletik hinter sich zu lassen. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut.

Alltag wie bei den Profis
Der Tagesablauf der Nachwuchsathletin lässt wenig Raum für Langeweile. Zwei bis drei Trainingseinheiten täglich, rund fünf Stunden Training an fünf Tagen pro Woche, dazu Punktspiele und Turniere an den Wochenenden.

„Es kommt selten vor, dass ich mal keine Lust auf Tischtennis habe“, sagt Kölling. „Ich habe im Training und im Spiel große Spielfreude. Tischtennis macht mir großen Spaß. Außerdem finde ich es schön, viele Leute zu treffen, die ich bei Turnieren kennengelernt habe und auf die ich mich jedes Mal wieder freue.“

„Vor dieser Leistung ist man demütig“
Landestrainer Frank Schulz erlebt die Entwicklung seiner Schützlinge täglich. Für ihn verdienen die Leistungen der Nachwuchsspieler weit über die sportlichen Ergebnisse hinaus Anerkennung.

„Junge Spielerinnen und Spieler wie Kira und Till haben am Erfurter Sportgymnasium einen Alltag wie Profis. Sie arbeiten mehr als mancher Erwachsene in seinem Hauptberuf“, sagt Schulz. „Vor dieser Leistung ist auch ein Trainer demütig.“ Gleichzeitig gehe es dem Verband nicht allein um sportliche Erfolge. „Wir möchten die maximale Entwicklung von Talenten im sportlichen Bereich erreichen. Wir wollen aber auch einen guten Grundstein für die Entwicklung nach der Karriere legen. Und bestenfalls geben sie im Anschluss ihrem Sport etwas zurück.“ Deshalb absolvieren die Oberstufenschüler inzwischen regelmäßig die B-Lizenz-Trainer-Ausbildung.

Heimvorteil bei einem besonderen Tischtennis-Fest
Dass die LOTTO Thüringen TT-Finals (4. – 7. Juni) mittlerweile fest in Erfurt verankert sind, sieht Schulz als Glücksfall für Thüringen. Viele Lehrkräfte und Erzieher des Sportgymnasiums werden in den kommenden Tagen in der Messehalle sein und ihre Schülerinnen und Schüler unterstützen.

„Es ist ein Geschenk, dieses Tischtennis-Fest in Thüringen zu haben“, sagt der Diplomtrainer. Anfangs sei es für die Kaderspieler ungewohnt gewesen, morgens von zu Hause oder aus dem Internat zu den Finals zu fahren, während die Konkurrenz aus anderen Bundesländern in Hotels wohnte. Inzwischen habe sich dieses Gefühl gewandelt. „Im dritten Jahr haben sie sich daran gewöhnt und es fühlt sich gut und richtig an.“

Drei Medaillen als nächster Schritt?
Die Entwicklung des Thüringer Nachwuchses spricht für sich. Am Erfurter Pierre-de-Coubertin-Gymnasium trainieren inzwischen 23 Tischtennistalente – mehr als doppelt so viele wie noch vor einigen Jahren. Die nächsten Talente stehen bereits bereit und starten ab Herbst in der fünften Klasse.

Nach einer Medaille im ersten und zwei Medaillen im zweiten Jahr des größten Tischtennis-Fests in Europa formuliert Schulz seine Hoffnung mit einem Schmunzeln: „Im dritten Jahr dürfen es gerne drei sein.“ Die Rechnung sei allerdings einfacher aufgestellt als umgesetzt. „All unsere Spielerinnen und Spieler sind gut vorbereitet und wollen jedes Spiel gewinnen. Man wird sehen, was dabei herauskommt.“ Für Till Berbig und Kira Kölling bietet sich ab Donnerstag jedenfalls die nächste große Bühne – direkt vor der eigenen Haustür.

Text: DTTB/Simone Hinz
Bild: DTTB